Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL)
in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg


Partnerschaft ist lernbar

Seit 20 Jahren gibt es in Mecklenburg öffentliche katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung.

Vor der Wende wäre es nicht möglich gewesen: Häuser mitten in Rostock oder Schwerin, an denen das Schild „Psychologische Ehe-, Familien- und Lebensberatung" der katholischen Kirche hängt. Vor 20 Jahren rückte sie aus dem Kirchenraum in die Öffentlichkeit. Das wurde mit einem Fachtag in einem Schweriner Kino gefeiert.

Auch das wäre vor der Wende unmöglich gewesen. „Katholisch" ist die Eheberatung in ihrem Bild von Ehe und Partnerschaft und in den Personen der Berater. Generalvikar Franz Peter Spiza umriss dieses Bild in einem Satz. „Wir verstehen Liebe als Geheimnis und Geschenk Gottes, das ein Leben lang gepflegt und gehütet werden muss." Nur zehn Prozent der Nutzer katholischer Eheberatung in Mecklenburg besteht aus Katholiken, betonte Spiza. Das Angebot sei deshalb ein „Service", den die katholische Kirche für alle leistet.

„Gut, dass es sie gibt", sagte Gerhard Bley, Vertreter des Sozialministeriums. „Die vorbeugende Sorge um das Glück der Paare steht im Schatten der Wahrnehmung", gab er zu. Mit 100 000 Euro jährlich unterstützt das Land die Beratungsstellen. Scheidung ist Ursache für Armut und Krankheit. Wesentlich mehr Aufmerksamkeit widmet die Politik den Folgen von Partnertrennungen. Zwangsläufig, denn die Kette der Folgen ist lang: Armut, Sozialhilfebedürfigkeit, überforderte Alleinerziehende, seelische und körperliche Krankheiten in der Folge, Erziehungsschwierigkeiten, Schulprobleme. Wie viele Scheidungskinder gibt es in Mecklenburg-Vorpommern? Schwer zu sagen. „60 Prozent der Kinder in Mecklenburg-Vorpommern werden nicht ehelich geboren", sagte Blei.

Können Eheberatung oder Partnerschaftskurse die hohe Zahl von Trennungen verhindern? Sie könnten es, versicherte Prof. Dr. Kurt Hahlweg, Psychologe an der Technischen Universität Braunschweig. Statistiken zeigten, dass die Trennungsquote unter Paaren, die in einem Kurs ihre Kommunikation verbessert haben, deutlich niedriger ist als im Durchschnitt. Weltweit gibt es viele Programme für Paarkommunikation, die einander ähneln. Die Kunst, miteinander zu reden, ist ein Schlüssel für die Haltbarkeit von Beziehungen. In Bayern bekommt jedes Brautpaar auf dem Standesamt ein Video mit einem EPL-Kurs. Das Kommunikationstraining sollte eigentlich noch viel früher beginnen, argumentierte Hahlweg, nämlich schon in den Schulen, bevor Jugendliche dauerhafte Partnerschaften eingehen. Im Moment sei die Eheberatungsszene eher ein „Reparaturbetrieb". Ein Betrieb, der einerseits überfordert ist, andererseits sind 6 000 Eheberater in ganz Deutschland tätig. „Was Sie und ich tun, ist immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte Hahlweg.

„Deshalb müssen wir uns etwas einfallen lassen." Denn eine zerbrochene Ehe mag eine private Tragödie sein. In der Summe aber bringen die Folgen das Gemeinwesen ins Wanken. Kinder geschiedener Eltern haben ein höheres Risiko, selbst geschiedene Eltern zu werden. So vererbt und vervielfältigt sich das Problem, samt seiner Folgen. Gibt es eine „Kultur glücklicher Trennungen"? Christliche Eheberater haben es freilich immer mit einzelnen Menschen zu tun: Solche, die unter ihrer Trennung leiden, solche die in einer Beziehung leiden, in der die Liebe abhanden gekommen oder zum Hass geworden ist. Katholische Eheberatung, forderte Dr. Christoph Hutter, Pädagoge und Theologe aus Lingen, sollte Paare auch dann im Blick haben, wenn sie keine Paare mehr sind. „Wir sollten die Kultur glücklicher Trennungen vorantreiben", forderte er. „Die Art und Weise, wie wir heute Getrennte oder sich Trennende im Regen stehen lassen, fördert weder deren Glück noch das gesellschaftliche Glück." Hutter vermisst Formen, Sprache und Rituale, mit der Trauer und der neuen Situation nach einer Trennung umzugehen. „Wo ist das Handbuch der glücklichen christlichen Scheidung?"