Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL)
in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg


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Die Zeit heilt alle Wunden…?

Ein Beitrag der EFL Hamburg-Harburg

Der Tod ist ein Thema, das unweigerlich zum Leben dazugehört – und doch in unserer Gesellschaft oft tabuisiert wird. Viele Menschen wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, was sie einem Trauernden sagen sollen – und aus Angst schweigen sie lieber ganz. Trauernde fühlen sich doppelt allein: zum einen durch den Verlust, und zum anderen durch das Schweigen ihrer Mitmenschen.

Der Tod eines geliebten Menschen zieht einem buchstäblich den Boden unter den Füßen weg. Nichts ist wie es war. Und das wird es auch nicht mehr. Der Tod ist endgültig. Das kann ganz unterschiedliche Gefühle auslösen: Trauer, Schmerz, Verzweiflung, aber auch Leere, Ohnmacht, Wut, Scham, Mitgefühl mit dem Toten, Liebe, Sehnsucht, ... Was Trauernden am meisten hilft, ist, jedes Gefühl zuzulassen, und das in allen Formen: im Weinen, im Schreien, im Rückzug, in Stille. Es hilft, wenn er* dabei nicht allein ist, sondern sich begleiten lassen kann, wenn ihm danach ist. Von guten Freunden, der Familie oder auch in einer Beratung; dass jemand da ist, der einfach zuhört und mit aushält, was auch immer da ist. Trauern ist so vielfältig wie es die Menschen sind: jeder muss seinen eigenen Weg finden. Die Versuche, ein allgemeingültiges Phasenmodell zu entwickeln, kommen an ihre Grenzen: Trauerprozesse sind geprägt von Umwegen, Abstürzen, „Rückfällen" usw. Trauern lässt sich zeitlich nicht begrenzen; es wird mit der Zeit etwas leichter, mit dem Verlust zu leben, nicht mehr jeder Tag fühlt sich wie ein Albtraum an, aber der Trauerprozess dauert trotzdem lange an. Auch wenn die Umwelt, die Arbeit, und selbst anfangs verständnisvolle Freunde nach einer gewissen Zeit wieder erwarten, dass der Trauernde nun zum Alltag zurückkehrt: Das Leben geht ja schließlich weiter...
Umso wichtiger ist es dann für den Trauernden, einen sicheren Ort zu haben, an dem er sich zurückziehen und alle Gefühle zulassen kann, ohne stark sein zu müssen.

Oft kommt die Frage auf, wo der Verstorbene denn nun ist. Es kann ungemein trösten zu glauben, dass er an einem guten Ort ist, wo es ihm gut geht, wo Ruhe und Frieden herrschen. Ob das nun „der Himmel" ist, an den Christen glauben, oder ein anderer Ort, den man sich vorstellt. In der Beratung erfahren wir immer wieder, wie Zweifel und Fragen Raum gewinnen, aber wie sehr Glauben und Religion gerade im Angesicht des Todes zu tragen vermögen.
Letztendlich geht es darum, eine neue Art der Beziehung zum Toten aufzubauen: Er lebt nicht mehr, aber die Liebe und die Erinnerung bleiben. Manchmal ist die Sehnsucht nach dem Verstorbenen so groß, dass es kaum auszuhalten ist. Der Trauernde sucht die Nähe, durch Gespräche, durch Aufsuchen von Orten, die mit dem Verstorbenen verbunden werden, durch Ansehen von Fotoalben und Schwelgen in Erinnerungen. All das ist ganz normal und kann helfen, eine neue Beziehung zum Verstorbenen aufzubauen.
Und letztlich zu wissen: „Weil ich dich liebe, lebst du in meinem Herzen."*

*Anmerkung 1: Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird im Text die männliche Form verwendet. Die weibliche ist dabei aber mitgedacht und –gemeint.

*Anmerkung 2: Der Text basiert auf dem Buch „Meine Trauer wird dich finden. Ein neuer Ansatz in der Trauerarbeit" von Roland Kachler. 10. Auflage 2009. Freiburg im Breisgau: Kreuz Verlag. Das Zitat findet sich in seinem Buch auf S. 135.