Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL)
in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg


pixabay.com / Markus De Nitto

Ein „Lichtblick-Tagebuch“

Ein Beitrag der EFL Hamburg-St. Georg

Neulich am Telefon: „Ich bin in letzter Zeit so müde und angespannt, irgendwie freudlos. Mein Leben ist überwiegend Anstrengung. Diese vielen besorgniserregenden Nachrichten gehen mir richtig auf den Geist... Und dabei ist noch kein Ende abzusehen, denn die nervige Corona-Zeit wird uns noch lange beschäftigen. Ich wüsste so gern, wie ich da rauskomme!" Vielleicht könnten diese Sätze auch von Ihnen stammen, liebe Besucher und Besucherinnen?

Es ist so menschlich und liegt nahe, sich von solchen Gedanken entmutigen zu lassen. Eine andere, neue Perspektive einzunehmen, fällt erst einmal schwer und kommt uns oft vor wie ein riesiger Berg. Diesen Berg zu erklimmen, dazu fehlt der Schwung und das Zutrauen zu sich selbst.

Mit einem anderen Vergleich klingt es schon ein wenig machbarer:

„Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt" *.
Selten ist es DIE große Veränderung, DIE tolle Maßnahme, die uns ermutigt und unserem Leben eine Wendung gibt. Vielmehr sind es kleine, ganz individuelle Schritte, die ermöglichen, dass Leichtigkeit und Gelassenheit wieder mehr Raum in unserem Leben bekommen.

„Kennen Sie schon das Freuden-Tagebuch?", frage ich meine Gesprächspartnerin, nachdem ich ihre Situation verstanden habe. „Kaufen Sie sich ein hübsches Büchlein oder Heft und tragen Sie jeden Abend die Freuden des vergangenen Tages ein. Das schult die Selbstbeobachtung und die Wahrnehmung. Man lernt, den Fokus auf das zu legen, was am Tag gut war. Ein freundlicher Blickwechsel auf dem Spaziergang? Der erste Kaffee am Morgen? Ein Kind, das aus voller Kehle auf dem Fahrrad singt? Eine unverhoffte Postkarte im Briefkasten? Und mit der Zeit entsteht eine ganze Sammlung, die helfen kann, mal die Perspektive zu wechseln und freundlicher auf sein Leben zu schauen. „Freude?!", antwortet die Frau skeptisch, „mir würde es schon reichen, wenn es hin und wieder mal einen Lichtblick gäbe!".

„Was für ein schönes Wort", sage ich: „Lichtblick!" Ein kleiner Augenblick... und es wird hell. Ein kurzer Moment... und der tut gut. Eine Unterbrechung... und etwas fühlt sich ein bisschen anders an. So ein Lichtblick-Tagebuch, das kann meine Gesprächspartnerin sich vorstellen. Mal sehen, was sie in den nächsten Wochen für Lichtblicke sammeln wird...

*Dank an Dr. Luise Reddemann für dieses hilfreiche Büchlein